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Die vernetzte Fabrik
Die vierte industrielle Revolution zeigt sich aber nicht nur
am Transportband in der Werkshalle, sondern verändert
auch die Welt vor den Fabriktoren. Die gesamte
Produktionslogik wandelt sich. Intelligente Maschinen und
Produkte, Lagersysteme und Betriebsmittel werden
konsequent mittels ITK verzahnt – entlang der gesamten
Wertschöpfungskette, von der Logistik über Produktion
und Marketing bis zum Service.
Ein Beispiel:
Ein Bauteil im Auto ist künftig so ausgestattet, dass es
kontinuierlich Daten über seinen Zustand sammelt und mitteilen kann,
wenn ein Austausch nötig wird – und das, bevor es zum Ausfall kommt.
Das Produkt sendet selbstständig eine Mitteilung an den Hersteller, dass
Ersatz gefertigt werden muss. Die Bestellung enthält neben genauen
Angaben zum Fahrzeugtypen auch die Information, wohin das Bauteil
anschließend versandt werden muss. In der Fabrik wird der Auftrag
bearbeitet, die Maschinen konfigurieren sich selbst so, dass das passende
Teil gefertigt wird und schicken es schließlich auf die Reise an den
richtigen Zielort. Der Termin in der Werkstatt ist dann bereits vereinbart –
auch darum hat sich das Auto gekümmert.
Welches Waschmittel gehört in die Flasche? Wie muss der
Rohling geschliffen werden? Wohin muss das Ersatzteil
gesandt werden? Im Zeitalter der Industrie 4.0 geben die
Produkte selbst die Antwort und informieren die
Maschinen, was mit ihnen passieren soll. Kurz: Die Objekte
werden intelligent. Sie tragen Barcodes oder RFID-Chips auf
der Oberfläche, die die entsprechenden Informationen
enthalten. Scanner und Computer lesen die Daten aus,
übermitteln sie online weiter – und sorgen dafür, dass die
Maschinen richtig agieren. Auf diese Weise kommunizieren
die smarten Objekte miteinander. Es entsteht ein Internet
der Dinge und Dienste. Die physikalische Welt und die
virtuelle Welt verschmelzen zu cyber-physischen Systemen.
erschließen. Denn der Wandel,
angeschoben durch ITK, wird kommen. Und wir sollten ihn
mitgestalten. Nur so sichert sich Deutschland dauerhaft
eine Spitzenposition im internationalen Wettbewerb – und
die Chancen, die Industrie 4.0 mit sich bringt.
Fünf gute Gründe für Industrie 4.0
1. Hohe Wettbewerbsstärke
Deutschland ist der international führende Fabrikausrüster
und stark im Bereich der eingebetteten Systeme. Das gibt
uns eine gute Startposition, und indem wir den Wandel zur
Industrie 4.0 aktiv begleiten, können wir unsere Stellung als
Leitanbieter weiter ausbauen. Nicht zuletzt steigert die
stärkere Vernetzung von Produkten und Maschinen auch
die Effizienz der hier produzierenden Unternehmen und
fördert ihren Erfolg im globalen Wettbewerb.
2. Flexible Fertigung
Gerade im internationalen Wettbewerb ist es entscheidend,
schnell auf Veränderungen zu reagieren. In der Industrie
4.0 sind alle Abläufe transparent, sodass Unternehmen
jederzeit den Überblick behalten und flexibel agieren
können. Fällt zum Beispiel ein Zulieferer aus, lassen sich
Abläufe ad-hoc anpassen, sodass die Liefermenge an
anderer Stelle erhöht und der Ausfall kompensiert wird.
Produktionsprozesse können einfach und
standortübergreifend optimiert werden – sei es mit Blick
auf Qualität, Preis oder Ressourceneffizienz.
3.
Individuelle Produktion
Waren Maschinen früher auf ausgewählte Arbeitsschritte
festgelegt, ist künftig dank IT eine schnelle Reaktion auf
sich ändernde Anforderungen möglich. Egal, ob ein
Produkt blau oder rot lackiert werden soll – die Maschine
kann beides und entscheidet selbst, was zu tun ist.
Umständliches Umprogrammieren ist nicht nötig. Auf diese
Weise lässt sich rasch auf individuelle kundenspezifische
Wünsche reagieren. Selbst die Produktion von
Einzelstücken und Kleinstmengen kann rentabel werden.
4.
Innovative Geschäftsmodelle
Im Zuge der vierten industriellen Revolution bieten sich
zahlreiche Anknüpfungspunkte für neue Geschäftsmodelle
und Dienstleistungen. Die intelligenten Objekte sammeln
vielfältige Daten, auf Basis derer sich innovative Services
und Angebote entwickeln lassen – zum Beispiel in der
Logistik. Gerade Start-ups sowie kleine und mittlere
Unternehmen mit Ideen können von Big Data profitieren
und sich mit Business-to-Business-Dienstleistungen am
Markt etablieren.
5. Neues Arbeiten
Die intelligenten Assistenzsysteme eröffnen Beschäftigten
neue Spielräume. Sie bieten das Potenzial, in Zeiten des
demografischen Wandels ältere Menschen länger in das
Berufsleben einzubinden, indem Abläufe genau auf die
Möglichkeiten der Belegschaft abgestimmt werden.
Zugleich lässt sich Arbeit damit künftig auch in der
Industrie flexibler gestalten. Davon profitieren
Beschäftigte, die Beruf und Familie besser in Einklang
bringen können.
Individueller, flexibler, schneller
Die Vision zeigt, dass Industrie 4.0 ganz neue Anforderun
-
gen an Produktionssysteme und Maschinen stellt. Sie
müssen anpassungsfähig sein, da die zu fertigenden
Produkte ständig wechseln können. Im Ergebnis heißt das:
Die Produktion wird individueller, flexibler und schneller.
Die vierte industrielle Revolution bietet damit das
Potenzial, aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche
Herausforderungen zu meistern.
Chancen durch Industrie 4.0
Made in Germany – das zählt gerade im Maschinen- und
Anlagenbau als wichtiges Qualitätssiegel: Deutschland ist
führend in der Ausrüsterindustrie. Damit das auch in
Zukunft gilt, ist es zentral, die Möglichkeiten der Industrie
4.0 frühzeitig zu
DURCH PROZESSOPTIMIERUNG KOSTEN SPAREN
Von smarten Objekten und Maschinen
Herausgeben: BITKOM
Bundesverband Informationswirtschaft,
Telekommunikation und neue Medien e.V. - Berlin
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Abbildung 1:
Die vier Stufen der
Industriellen Revolution
Grad der Komplexit tä